Das Auftragswerk von Javier Busto hat einen Titel
„Soñé que tú me llevabas“ heißt das neue Werk, das Javier Busto für den 60. Internationalen Chorwettbewerb geschrieben hat. Ein Titel wie der Beginn eines Traums, von einem Komponisten, dessen Chor Spittal schon lange kennt.
Der Titel
Ein weißer Weg, hin zu den blauen Bergen
„Soñé que tú me llevabas“ – „Ich träumte, du führtest mich“. Mit diesen Worten beginnt eines der innigsten Gedichte von Antonio Machado (1875–1939). Der spanische Dichter schrieb es in den Jahren nach dem Tod seiner jungen Frau Leonor:
Soñé que tú me llevabas
por una blanca vereda,
en medio del campo verde,
hacia el azul de las sierras,
hacia los montes azules,
una mañana serena.
Ich träumte, du führtest mich
einen weißen Pfad entlang,
mitten durch das grüne Feld,
hin zum Blau der Sierras,
hin zu den blauen Bergen,
an einem heiteren Morgen.
Javier Busto kennt diesen Dichter gut: Schon sein „Poema a un olmo seco“ beruht auf einem Gedicht von Machado. Wie viel des neuen Titels in der Musik steckt, verraten die Noten. Das Werk ist noch unveröffentlicht, und die Chöre bekommen es mit der Zusage Anfang November.
Zu hören ist es beim Pflichtliedsingen am Samstag, 10. Juli 2027, im Stadtsaal. Dann singen es alle teilnehmenden Chöre, jeder auf seine Weise.
Der Komponist
Hausarzt, Rockmusiker, Chorkomponist
Javier Busto kam am 13. November 1949 in Hondarribia im Baskenland zur Welt. Er sang von klein auf im Chor, spielte als junger Mann in Rock- und Folkgruppen und studierte in Valladolid Medizin. Viele Jahre arbeitete er als Hausarzt. Die Musik brachte er sich selbst bei, und Erwin List ermutigte ihn zum Dirigieren.
In Valladolid leitete er von 1971 bis 1976 den Chor Ederki. 1978 gründete er in seiner Heimatstadt den Chor Eskifaia und leitete ihn bis 1994. Es folgten Kanta Cantemus Korua (1995) und Aquam Lauda Korua (2014). Mit seinen Chören gewann er erste Preise in Frankreich, Italien, Österreich und Deutschland. Heute laden ihn Festivals und Wettbewerbe in aller Welt als Dirigenten und Juror ein.
Chöre auf der ganzen Welt singen seine Stücke. Sein „Ave Maria“ fiel 1985 bei einem Kompositionswettbewerb in Tolosa durch, weil es zu romantisch sei. Inzwischen wurde es mehr als 120.000 Mal verkauft. Seine „Missa pro defunctis“ (1997) schrieb er im Auftrag eines japanischen Chors, als Antwort auf das Erdbeben von Kobe 1995. Sie endet mit einem Satz auf Japanisch.
„Ich versuche immer, Gefühl auszudrücken, denn ich glaube, das ist das Wichtigste.“
Javier Busto
Zum Hineinhören
Seine Musik, seine Stimme
Sein „Ave Maria“ und „Esta tierra“, dazu ein langes Gespräch mit ihm auf Spanisch.
- Javier Busto: Ave Maria – Atlanta Master Chorale
- Javier Busto: Esta tierra
- Javier Busto – Interview (Juanlu Music)
Ein Wiedersehen
Spittal kennt er schon
Für Javier Busto ist Spittal kein neuer Ort. 1984, beim 21. Internationalen Chorwettbewerb, sang hier sein Chor Coral Eskifaia und belegte in beiden Kategorien den zweiten Platz. 43 Jahre später kommt seine Musik zurück, und diesmal singen sie alle.
Wir freuen uns auf diesen Morgen im Juli.